„Autismus – ein Alltagsbericht“: Julian Leske hält Vortrag an der Europa-Universität Flensburg

Julian Leske ist ein 27 Jahre junger Autist. In einem autobiografischen Alltagsbericht erzählte er am 08.04.2019 an der Europa-Universität Flensburg im hervorragend gut besetzten Hörsaal über sein Leben. Er ging auf humorvolle Art und Weise besonders auf das Thema Autismus ein. Die Veranstaltung startete mit einer kurzen wissenschaftlichen Einführung zum Thema Autismus von Prof. Dr. Armin Castello von der EUF. Anschließend hielt Julian einen ca. 60 minütigen Vortrag über das Leben mit seiner Diagnose vor allem während seiner Schulzeit.

Julian, 24 Jahre, Verwaltungsangestellter, ist bundesweit an Universitäten als Referent unterwegs. Er berichtet auf humorvolle und reflektierte Weise über die mit der Diagnose verbundenen Herausforderungen (insbesondere in sozialen Situationen) und die Besonderheiten der alltäglichen Wahrnehmung eines autistischen Menschen.

„Ich hatte diffuse, körperliche Einschränkungen, zum Beispiel Gleichgewichtsstörungen, habe spät laufen gelernt. Die Kita, die sich integrativ nannte, habe ich geregelt bekommen“, sagt er und kann sich an die Spiele erinnern, die er zu Hause geliebt hatte. Zum Beispiel an jede Tür, an jedes Fenster Seile zu befestigen, um die Griffe zu stabilisieren.

Erst mit 18 Jahren habe er die Diagnose bekommen, Autist zu sein, am Asperger-Syndrom*, der leichteren Form des Autistik-Spektrums, zu leiden.

„Die soziale Wahrnehmung fehlt mir. Ich sehe die Dinge immer erst auf sachlicher Ebene, danach kommt die Emotion. Das ist verschoben bei mir.“, sagt er.

Liebe: hochkomplex
Das Thema Liebe bezeichnet Julian bei seiner Behinderung als hochkomplex. Es würde ja bedeuten, dass er sich auf einen Menschen dauerhaft einlassen müsse.

Romantische Annäherungen würden schon daran scheitern, dass er Aufmerksamkeiten gar nicht registrieren und Mimik und Gestik nur schwer interpretieren könne. „Ich möchte keine Kinder in die Welt setzen. Wie soll ich denn positiv auf sie eingehen, wenn ich Emotionen nur in der Theorie kenne.“

Leske vermittelte seine Informationen genauso kurzweilig wie lehrreich. Er vermischte Ernsthaftes mit witzigen Episoden und Selbstironie, wie man sie einem Autisten gar nicht zutraut. Julian Leske hätte „gelernt, damit umzugehen“. Jeder Autist sei anders, sagte der junge Mann. Jeder habe andere Fähigkeit und auch Einschränkungen.

Während man den meisten Autisten nachsagt, dass sie eher naturwissenschaftlich orientiert seien, fühlt sich Leske eher im Bereich der deutschen Sprache wohl, was ihm bei Vorträgen zu Gute käme.

* Das Asperger-Syndrom (AS) ist eine Variante des Autismus und wird zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gerechnet. Merkmale sind einerseits Schwächen in der sozialen Interaktion sowie Kommunikation und andererseits stereotypes Verhalten mit eingeschränkten Interessen. Wie alle Autismusstörungen gilt das Asperger-Syndrom als angeboren und nicht heilbar; es macht sich etwa vom vierten Lebensjahr an bemerkbar.

Beeinträchtigt ist vor allem die Fähigkeit, nichtsprachliche Signale (Gestik, Mimik, Blickkontakt) bei anderen Personen zu erkennen, diese auszuwerten (zu mentalisieren) oder selbst auszusenden. Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Personen mit Asperger-Autismus kann dadurch merkwürdig und ungeschickt erscheinen. Da ihre Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, werden sie von ihrer Umwelt leicht als wunderlich wahrgenommen. Gelegentlich fällt das Asperger-Syndrom mit einer Hoch- oder Inselbegabung zusammen.