Bornzero bietet ganz großes Gitarrenkino im Kulturhof Flensburg

Am Samstagabend (05. September) gab der Musiker Dieter Bornschlegel alias Bornzero  im Kulturhof Flensburg e. V. ein Gastspiel. Besser gesagt ein Wohnzimmerkonzert vor ca. 20 Gästen. Diese zeigten sich von der Spiel- und Unterhaltungskunst des Gitarristen begeistert und spendeten dem Musiker einen vollen Hut mit Euro-Scheinen und tosenden Applaus.

Bornzero ist ein Voll-Profi und ein Mann, der Musik-Geschichte und einen Stil mitgeprägt hat: Krautrock. Der 1954 in Dortmund geborene Musiker war in den 1970er-Jahren Gitarrist von GURU GURU und ATLANTIS und avancierte mit zu den besten Rockgitarristen unseres Landes.  Heute versucht er sich auf der Akustikgitarre und performt eine selbstentwickelte Spieltechnik. 2005 wurde sein Industrialsoloprojekt „Das Ewige Eis – Dein Schatten“ in zwei Kategorien für den Internationalen Music Award nominiert.

Der „Rolling Stone“ schreibt, dass der Musiker ein „Mann mit dem ganz eigenen Kopf“ sei. Er selbst nennt seine elektroakustische Soloperformance „psychedelic freestyle guitar‘. Wie genau? Er wechselt zwischen volltönenden Rockriffs, perkussivem Technosound und komplexen Harmoniefolgen.

Dieter Bornschlegel wirkt dabei wie verwebt mit seiner Akustikgitarre. Und er bedient die Saiten seiner Gitarre nicht auf übliche Weise, sondern traktiert sie wie einen perkussiven Klangkörper. Er positioniert das Instrument horizontal auf den Oberschenkeln und bedient das Griffbrett fast wie ein Hammerklavier.
 
Der Musiker entlockt Corpus und Saiten der Gitarre mit Fingern, Handballen, einem Schlagzeugbesen oder, wie am Samstagabend im Kulturhof-Café mit seiner Jacke.

Ein Teil seines Programms spielt er instrumental. Bisweilen singt er zu seinen Gitarrenklängen, mit einer rauchigen, ruhigen Stimme. Seine Texte schwingen von tief greifenden Themen über zu Ironie und Humor. Und im Mittelpunkt immer die Gitarre. Diese verstärkt er mit Effektgeräten aller Art. Er bedient sie mit den Füßen, mit Schellen überstülpt, verleiht er ihnen das Eigenleben eines Taktgebers.

Dazu die atemberaubende Schnelligkeit des Gitarristen, die groovenden Rhythmen, dieses alles zusammengefügt zu einer außergewöhnliche Rezeptur – oder anders: Die Zuhörer und Zuhörerinnen erlebten an diesem Samstagabend ganz großes Gitarrenkino.