Europa-Uni-Flensburg: „Streik-Spot“ der Gebäudereinigung

AKTUELL: Einigung im Tarifstreit* // Bundesweite 48-Stunden-Warnstreik-Welle trifft Schleswig-Holstein // Flensburg avancierte 25.09.2019 zum „Streik-Spot“ der Gebäudereinigung: Kein Papierkorb wird mehr geleert, keine Toilette sauber gemacht, kein Fenster geputzt. Rund 100 Reinigungskräfte traten am 25.9.19 ab 5 Uhr in der Uni von Flensburg in den Warnstreik. Die Arbeitsniederlegung war Teil einer 48-stündigen Streik-Welle in der Gebäudereinigung, die sich im Rahmen einer ersten bundesweiten Aktion auf gezielt ausgewählte Gebäude und Einrichtungen konzentriert.

Aufgerufen dazu hatte die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU. Sie reagiert damit auf die Kündigung des Rahmentarifvertrags durch die Arbeitgeber der Reinigungsbranche.

Der Leiter der IG BAU-Region Nord, André Grundmann, sagte: „Die Unternehmen starten den Versuch, den Lohn zu drücken. Und das insbesondere bei denen, die ohnehin auf jeden Euro achten müssen: bei Teilzeitkräften und Mini-Jobbern. Von ihnen verlangen die Arbeitgeber, dass sie eine Überstunde nach der anderen machen. Einen Zuschlag von 25 Prozent für die Mehrarbeit wollen sie aber nicht bezahlen“.

Nachdem das Bundesarbeitsgericht in einem aktuellen Urteil entschieden habe, dass auch Teilzeitkräften der Überstundenzuschlag zustehe, hätten die Arbeitgeber kurzerhand den Rahmentarifvertrag Ende Juli platzen lassen.

Was seitdem passiere, sei ungeheuerlich, sagte Grundmann: „Viele Arbeitgeber versuchen, ihre Beschäftigten dazu zu überreden, geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben. Wer darauf eingeht, verliert viel. Es geht um massive Abstriche bei Lohn und Urlaub.“

Am 30. September setzten die Tarifparteien ihre Verhandlungen fort. Mit dem Warnstreik in Flensburg wollte die IG BAU den Druck auf den Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks in der dann bereits sechsten Verhandlungsrunde erhöhen.

Nach der Kundegebung vor dem Audiax der Europa-Uni Flensbug marschierten die Demonstranten durch die Innenstadt zum Gewerkschaftshaus am Holm. Dort fand eine Abschlusskundgebung statt. In der Innenstadt bildeten sich Verkehrsstaus. Die Fahrer waren – wieder einmal – sehr auf Geduld angewiesen. ## Ende Bericht ##

Tarifeinigung!

* Wie am 19.10.2019 via Facebook-Präsenz Linke Flensburg zu erfahren ist, soll der der Tarifstreit beigelegt sein. Betroffen von den neuen Regelungen seien ca. 650.000 Beschäftigte der Gebäudereinigung.

In Zukunft bekämen die Mitarbeiter-/innen einen einheitlichen Nachtzuschlag von 30 Prozent. Es würden auch die Teilzeitbeschäftigten profitieren, deren Anteil in der Gebäudereinigung sehr hoch ausfälle.

Wer über fünf Monate hinweg kontinuierlich ein Überstundenpensum von mindestens 15 Prozent leiste, bekäme einen Anspruch darauf, dass der Arbeitsvertrag auf die tatsächlich geleistete, höhere Wochenstundenzahl angepasst wird.

Zudem würde es einen Lohnzuschlag von 200 Prozent geben, wenn die Mitarbeiter-/innen am 1. Und 2. Weihnachtsfeiertag arbeiteten, sowie an Neujahr und am 1. Mai.

Aber es gibt auch mehr Urlaub, denn ab dem Jahr 2021 stünde für alle Beschäftigten ein einheitlicher Urlaubsanspruch, von 30 Tagen zu.

Quelle: LINKE Flensburg

Foto: Reinigungskräfte demonstrieren am 25.09.2019 auf dem Campus der Europa-Universität-Flensburg; hier: Demonstranten halten Transparent vor mit der Aufschrift „Wir sind Reinigungskräfte“