Flensburg: Aktionstag für das Recht auf Flucht und Solidarität mit der Seenotrettung

„Parolen wie: Wir haben Platz!` und Grenzen zu!  sind nicht hilfreich und keine nachhaltige Lösung!“* // Am 12.09.2020 fand eine Protestveranstaltung für Moria in Flensburg an der Hafenspitze statt. Die gebildete Menschenkette umfasste knapp 400 Personen. 

Die Mit-Veranstalter Seebrücke Kiel übten am Samstag scharfe Kritik an eine, wie es bei Facebook hieß, „rassistische Politik“, die hierzulande von der Regierung aus SPD-Fraktion im Bundestag und CDU/CSU-Bundestagsfraktion getragen und von Herrn Seehofer mit Freude ausgeführt würde.

Die angekündigte Aufnahme von 150 minderjährigen Geflüchteten durch Deutschland sei ein „zynischer Ausdruck dieser Politik des Wegschauens und mit dem Finger auf andere zeigen“. Das Bundesland Thüringen habe sich alleine bereiterklärt mehr Menschen aufzunehmen als Horst Seehofer.

Die Veranstalter fordern ein sofortiges Aufnahmeprogramm der Landesregierung und die Aufnahme aller Menschen aus Moria durch die deutsche Bundesregierung.

Und sie fordern den Rücktritt von Horst Seehofer. Die Blockade der sicheren Häfen sei schon seit Monaten nicht tragbar und habe einen Teil zu der Katastrophe am Dienstag beigetragen.

Die Veranstalter fordern sofortige humanitäre Ersthilfe und Druck auf die griechische Regierung, damit diese die Blockade der NGOs unterlässt.

Mit der Aufnahme der Menschen aus Moria Sole sofort begonnen werden: „Denn heute ist bereits mindestens 6 Monate zu spät!“ Quelle: Facebook

Simone Lange, SPD-Politikerin und Oberbürgermeisterin von Flensburg, die auf der Veranstaltung eine Rede hielt, schreibt bei Facebook: „Während viele Menschen heute in Flensburg durch eine Menschenkette sichtbar machen, dass sie bereit sind, konkrete Hilfe zu leisten, dass Platz bei uns ist und wir nicht nur sicherer Hafen heißen sondern vor allem einer sein wollen, lese ich heute häufiger, dass gesagt wird, 2015 dürfe sich nicht wiederholen?  

Wieso eigentlich nicht?  2015 war DAS JAHR der Hilfsbereitschaft und Menschenrettung überhaupt. 2015 spürten wir noch einmal, weshalb die EU 2012 für ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Ahmad Mansour, deutsch-israelischer Psychologe und Autor, schreibt bei Facebook: „Die Lage in Moria ist erschreckend und braucht eine humanitäre Intervention. Aber auch danach wird das Problem nicht gelöst sein. In wenigen Monaten gibt es einen neuen Notfall.

* Parolen wie: „Wir haben Platz!“ und „Grenzen zu!“ sind nicht hilfreich und keine nachhaltige Lösung!

Die Lösung ist eine bessere Integration und Einwanderungspolitik auf der einen Seite, die legale Wege nach Europa mit klaren Standards und Erwartungen schafft, aber auch mit Konzepten, die auch Einheimische in die Entscheidung miteinbezieht.

Auf der anderen Seite braucht es schnell Hilfe vor Ort für die Menschen! Alles andere ist entweder ein kurzfristiges Beruhigungsmittel oder ideologischer Diskurs ohne jeglichen Bezug zur Realität.“

Foto: Passant liest Info, die auf einen von vielen Stühlen bereitlag, die am Hafenufer stehen, auf einer Veranstaltung am 12.09.2020 in Flensburg, Hafen, Hafenspitze