Flensburg-Duburg: 16-Jähriger nach Auseinandersetzung tödlich verletzt

Es ist kalt, es ist windig, es ist ein Ort, ein Tatort, der einen buchstäblich mehrfach frieren lässt: Die Aussichtsplattform an der Straße Am Schloßwall, im Flensburger Stadtteil Duburg. Hier, am Karfreitag (02.04.2021) gegen 18.15 Uhr, stach ein 19-jähriger auf einen 16-jährigen ein. Dieser starb wenig später im Krankenhaus. Die durchgeführte Obduktion am Samstag (03.04.2021) hätte bestätigte, dass der Messerstich im Kopfbereich des 16-Jährigen „todesursächlich“ war. Soweit die Polizeimeldung

Am Tatort, am Ostermontag-Nachmittag, weilen junge Leute, ein TV-Team interviewt einen dieser jungen Leute. Dort, wo der 16-jährige Mensch zu Tode kam, liegen Beileidsbekundungen, Blumen, Trauerkerzen vor der besprühten Mauer, und ein in Plastik-Schutzhülle gelegter Zettel mit diesen Worten:

„es ist nie der richtige Zeitpunkt,
es ist nie der richtige Tag,
es ist nie alles gesagt,
es ist immer zu früh,
…“

Es ist der sechste Mensch, der innerhalb der letzten vier Jahre in Flensburg zu Tode kam, durch ein Verbrechen. Alle auf die gleiche Weise: erstochen. Augenzeugen hätte, wie in der Medien zu lesen, von einer schrecklichen Szene berichtet: Auf der Aussichtsplattform an der Duborg-Schule am Schloßwall.

Es gibt nichts zu entschuldigen, diese Tat ist ein schweres Verbrechen und jede/r fragt sich: wie konnte es dazu kommen? Meine These:

Wäre der Tatverdächtige 19-jährige als Kind geliebt, geachtet und mit Empathie umsorgt worden, wäre er nicht auf die Idee gekommen, ein Messer in die Hand zu nehmen und einen 16-jährigen zu erstechen. Wer als Kind geliebt wird, verfügt über Empathie, wer tötet, handelt nicht emphatisch, er handelt blind, er handelt tödlich.

Nichts in aller Welt lässt dieses Verbrechen damit entschuldigen – aber vielleicht erklären. Denn: Kindesmisshandlung ist eine der Hauptursachen dafür das Menschen zu Verbrechern werden.

NEIN, nicht jede/r die/der Kindesmisshandlung erlebt, wird automatisch zum Verbrecher, zum Mörder, nein, dazu müssen viele Dinge geschehen: Drogen, Alkohol gehören auch mit dazu. Auch Kriegstrauma, religiöse Indoktrinierung und Gehirnwäsche von Kindern zu Kindersoldaten und Terroristen.

Gewalt im Elternhaus als Ursache

Generell belegen Studien, dass Gewalt im Elternhaus nachweislich das Risiko eines Kindes steigert, später selbst gewalttätig zu werden.

Diese Kinder haben „eine stärkere Zustimmung zu Gewalt legitimierenden Männlichkeitsnormen“, bei ihnen ist die „Selbstkontrolle schlechter ausgebildet“ und sie weisen schlechtere Schulleistungen auf, so der „Erste Deutsche Forschungsbericht zu Jugendlichen in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“.

Nichtdeutsche Jugendliche stechen deutlich hervor: Sie werden häufiger Opfer von elterlicher Gewalt, sind schlechter in das Bildungssystem integriert und ihre Familien sind häufiger von staatlichen Leistungen abhängig als deutsche.

Was sagt die Kriminal-Statistik? 

In den letzten zehn Jahren haben sich die Fälle krimineller Jugendlicher zwar fast halbiert und die Zahl der Intensivtäter ist beinahe schon verschwindend gering.

Das liegt dem Trend zugrunde, dass Kinder vermehrt gewaltfrei erzogen werden und in unserer Gesellschaft setzt sich zunehmend ein Klima der Anti-Gewalt durch.

Was aber nicht vergessen werden darf: Durch den demografischen Wandel gibt es immer weniger Jugendliche. Die positiven Zahlen täuschen daher ein wenig, es wäre falsch, sich auf den positiven Zahlen auszuruhen.

Was ist zu tun? Wir als Gesamt-Gesellschaft stehen in der Verantwortung, mehr Schutz für unsere Kinder vor seelischer, physischer, und sexueller Gewalt und Vernachlässigung zu gewährleisten. Denn: Kinderschutz ist die beste Prävention. Aus geschundenen Kinderseelen müssen nicht unglückliche, seelisch kranke oder gar verbrecherische Menschen werden. Es liegt an uns, das zu verhindern.

Wenn uns dieses nicht gelingt,  müssen wir auch weiterhin kalte Tage wie diese in Flensburg erleben, die einen mehrfach frieren lassen.

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