Flensburg: Verlegung von drei Stolpersteinen

Am 21.11.2019 hat der Kölner Künstler Gunter Demnig* in Flensburg drei Stolpersteine gesetzt. Die Initiative zu dieser Aktion ging aus von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (kurz VVN-BdA Kreisvereinigung Flensburg). Bis Ende 2014 wurden vierundzwanzig Stolpersteine in Flensburg verlegt, am 21.11.19 nun die Stolpersteine fünfundzwanzig, sechsundzwanzig und siebenundzwanzig.

Zur Geschichte der Stolperstein-Aktionen in Flensburg:
Am 23. August 2004 wurden die ersten 16 Stolpersteine in Flensburg auf Initiative des DGB für jüdische Menschen gesetzt. Außerdem wurden 3 Stolpersteine am ehemaligen Gut Jägerslust in Flensburg-Weiche für die Familie Wolff verlegt.

Im Jahr 2007 setzten Mitglieder des Vereins „Schwul-lesbische Veranstaltungen zur Förderung der Primärprävention“ drei weitere Stolpersteine in Gedenken an durch die Nazis getötete Homosexuelle .

Am 6. März 2014 verlegte der Künstler Gunter Demnig vor der Alten Post in der Rathausstraße zum Gedenken an Johanne Marie Ebsen, die im Rahmen des NS-Euthanasieprogramms von den Nazis ermordet wurde, den 24. Stolperstein in Flensburg.

Wo die ersten 24 Stolpersteine in Flensburg exakt gesetzt wurden, finden sich in einer Liste bei Wikipedia (Stand 2013). Die meisten Stolpersteine liegen in der Flensburger Innenstadt. Quelle: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Flensburg

Die Orte der aktuellen Verlegung am 21.11.2019:

Stolperstein fünfundzwanzig & sechsundzwanzig: Dorotheenstraße 28:
Stolperstein für: Emil Jessen, geboren 1906. Im Widerstand / KPD. Verhaftet 1933, Vorbereitung Hochverrat, Zuchthaus Neumünster. 1943 Strafbataillon 999, Tot 1944 Tiraspol.

Stolperstein für: Marie Johanne Lembcke, geboren 1914. Eingewiesen 24.2.1936 Psychiatrie Schleswig. „Verlegung“ am 23.5.1941 Bernburg. Ermordet 23.5.1941 „Aktion T4“.

Stolperstein siebenundzwanzig: Große Straße 15 (siehe Foto) für Oskar Reincke. Hierzu weitere Informationen:

Oskar Reincke wuchs in Hamburg als Sohn eines Schiffskontrolleurs auf. Er begann eine Zimmermannslehre, brach diese aber ab, da der Beruf ihn körperlich überforderte, und arbeitete anschließend als Quartiermacher.

1924 schloss sich Reincke dem Kommunistischen Jugendverband an und übernahm wenig später eine Kreisleitung. 1927 wurde er als Hilfserzieher eines Hamburger Jugendamtes angestellt und besuchte 1929 ein sozialpädagogisches Seminar.

Politik in Flensburg
Wenig später trat Reincke der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei und übernahm 1932 die Leitung des KPD-Unterbezirks Flensburg.

1932 heiratete er Ella Seidel, die bereits seit 1924 der KPD angehörte. Am 12. März 1933 wurde Reincke in die Flensburger Stadtverordneten-Versammlung gewählt. Er konnte sein Mandat aufgrund der erlassenen „Reichstagsbrand-Verordnung“ nicht wahrnehmen.

Verhaftung
Mitte 1933 wurde Reincke verhaftet und bis 1935 in verschiedenen Konzentrationslagern gefangengehalten. Seine Frau versuchte in Hamburg unterzutauchen, wurde jedoch festgenommen und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach ihrer Freilassung lebten beide in Hamburg. Reincke fand nach erneuter kürzerer Haft Arbeit in einer Papiersackfabrik und schloss sich ab 1939 wieder dem Hamburger Widerstand an.

Erneute Verhaftung und Ermordung durch die Nazis
Im Dezember 1941 beschloss Reincke zusammen mit Bernhard Bästlein, Robert Abshagen und Franz Jacob die Gründung einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus und gehörte der dreiköpfigen Leitung an.

Reincke wurde am 17. Oktober 1942 erneut verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 10. Juli 1944 wurde er in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg am Holstenglacis hingerichtet.

Reinckes Name ist Bestandteil einer Ehrentafel am Eingang zum Flensburger Ratssaal, die an die Mitglieder der Flensburger Stadtverordneten-Versammlung erinnert, denen ihr Mandat durch das NS-Regime entzogen wurde.

* Was sind Stolpersteine?
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig (siehe hier bei der Stolpersteinsetzung in Flensburg am 21.11.2019), das im Jahr 1992 begann.

Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet und werden von einem angegossenen Betonwürfel mit einer Kantenlänge von 96 × 96 und einer Höhe von 100 Millimetern getragen. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster bzw. den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen.

Mehr zum Kunstprojekt Stolpersteine hier: http://www.stolpersteine.eu/

Kritik:
An dem Konzept der „Stolpersteine“ wird auch Kritik geäußert. Eine vehemente Gegnerin von Demnigs Projekt ist Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), die es als „unerträglich“ bezeichnete, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und worauf mit Füßen „herumgetreten“ werde.

Die Anhänger des Stolpersteinprojekts stellte sie öffentlich als „Gedenktäter“ in die Nachfolge der Täter der Judenvernichtung. Die Meinungen gehen unter prominenten Juden jedoch auseinander.

Aufmacher-Foto: Frisch am 21.11.2019 in Flensburg, Große Straße 15, 24937 Flensburg (Innenstadt, Einkaufsstraße) verlegter Stolperstein, daneben sieben Rosen gelegt. Dieser gedenkt an Oskar Reincke, geboren 1907. Im Widerstand / KPD, Verhaftet 1933 Sonnenburg, 1941 Widerstandsgruppe Bästlein-Jakob-Abshagen, 1942 Hamburg Holstenglacis, Enthauptet 10.7.1944