Flensburger Hofkultur 2018: Lüül & Band – Interview mit dem Musiker

Am 04.08.2018 gastierte ein besonderer Musiker, Sänger, Gitarrist, Texter und Komponist auf der Flensburger Hofkultur 2018: „Lüül“ (Jg. 1952), bürgerlich Lutz Graf-Ulbrich, früher Ulbrich (hier Fotos von dem Konzert). Der Künstler prägte in mittlerweile 50 Jahren die deutsche Musikszene mit. Sein Song „Morgens in der U-Bahn“* ist eins der ersten Lieder in der deutschen Popgeschichte, die einen Sprechgesang vorweisen und unterstreicht Lüüls Pionierstatus in der deutschen Rockgeschichte als Protorapper. Bekannt wurde er auch als musikalische und persönliche Begleitung von Nico (gest. 1988; bürgerlich Christa Päffgen),

die in den 1950er Jahren als das erste deutsche Supermodel avancierte und ihrerseits als Musikerin wegweisend gilt für Musikrichtungen wie Punk, Wave und Gothic und viele nachkommende Frauen der zeitgenössischen Pop- und Rockmusik.

Der Verfasser konnte vor einigen Jahren ein Interview mit Lüül führen. Dabei ging es u. a. auch um Nico. Hintergrund: Bei einem Festival in Frankreich lernte 1973 Lüül die Sängerin und Musikerin Nico kennen, mit der er die nächsten Jahre ein Paar bildete. So begleitete er Nico 1976 als Gitarrist auf Tourneen in Spanien, Frankreich und Holland. Nico führten einen exzessiven Lebenswandel. Dieser forderte allerdings seinen Tribut; so war der daraus resultierende schlechte körperliche und gesundheitliche Zustand ein Grund für den frühen Tod der Sängerin: Am 18. Juli 1988 stürzte sie bei einer Fahrradfahrt auf Ibiza und starb in Folge eines zu spät erkannten geplatzten Aneurysmas am selben Tag im Krankenhaus. Nico wurde in Berlin auf dem Friedhof Grunewald-Forst (am Schildhorn) im Grab ihrer Mutter beigesetzt.

Hier nun zu dem Interview mit Lüül (im Auszug):

„Frage 1: Wer sich näher mit Deiner Biografie befasst, weiß, dass Du in den 1970er Jahren zusammen mit bekannten und berühmten Künstlern, wie John Cale und der – leider viel zu früh verstorbenen – Velvet Underground-Sängerin „Nico“ Musik gemacht hast. Stört es Dich, wenn man Dich immer wieder auf die „alten“ Zeiten anspricht?

Nee, gar nicht, bin stolz drauf, mit diesen aussergewöhnlichen Menschen und Künstlern gearbeitet zu haben.

Wenn man mich allerdings nur darauf reduziert, kann es nerven.

Frage 2: „Nico“, mit der Du eine Zeit lang liiert warst und einige Projekte realisiertest, starb ja 1988 eines tragischen Unfalltodes. Wie sehr hat Dich ihr Tod geprägt – und wie denkst Du über den Tod? Ist danach „Schluss“ – oder wie ist Deine Meinung?

Ihr Tod kam – obwohl man ja bei Nico immer damit rechnen musste – doch sehr unerwartet für mich. Gerade noch hatte ich in Berlin mit ihr zusammengearbeitet und auch ein Flugticket für einen Nico Besuch nach Ibiza genau an dem Tag gekauft, an dem ich von ihrem Tod erfahren musste. Ich habe das in meiner Autobiografie „Lüül-ein Musikerleben…“ auch ausführlich beschrieben.

Es war das erste Mal, das der Tod so nah kam und die Tage und Wochen danach waren sehr intensiv und auf merkwürdige Weise tief, aufwühlend und in einer anderen Schwingung, die im normalen, oberflächlichen Alltag so nicht herrscht.

Keine Ahnung, was nach dem Tod passiert. Irgendwie bleibt die Energie ja doch bestehen, kann mir schon vorstellen, dass man sich dann auf anderer Ebene wieder begegnet.

Frage 2a) Wer war „Nico“ wirklich? Sicherlich kannst Du etwas differenzierter (als manche Medien) über diese talentierte und sensible Frau berichten? Woher stammte dieser oftmals düstere, melancholische Stil? Kannst Du uns bisschen über „Nico“ erzählen?

Schwierige Fragen. Wer Nico wirklich war, weiß wohl keiner wirklich zu beantworten. Selbst nach dem sehr gut recherchierten, tollen Portrait-Film „Nico-Icon“** ist man eher ratlos, denn sie wird wohl immer ein Mysterium bleiben. Vielleicht hat Vieles mit den Eindrücken aus den Kriegstagen zu tun. Fakt ist wohl, dass sie schon als Kind immer etwas anders war als andere, als schwebte sie 10 cm über dem Boden.“ Zum ganzen Interview: https://www.nachrichten.net/…/Interview_mit_dem_Musiker_L%C…

Am 17. Oktober 2008 fand ein Tribut-Konzert für Nico in Berlin statt, das von ihrem Ex-Gefährten Lüül, Lutz Ulbrich, moderiert wurde. Auf dem Konzert an der Volksbühne Berlin erschienen u. a. die deutsche Schlagersängerin Marianne Rosenberg, die österreichische Sängerin Anja Plaschg alias Soap&Skin, Marianne Enzensberger, James Young (der Keyboard-Spieler bei Nicos letzter Band The Faction) sowie Ari Boulogne (manchmal Ari Päffgen genannt), der Sohn von Nico, der schon 2001 in Frankreich ein Buch mit seinen Lebenserinnerungen unter dem Titel L’amour n’oublie jamais veröffentlichte, dessen Umschlag ein Foto von ihm und seiner Mutter zeigt.

https://youtu.be/38RBdHtWkWo

Nico-Icon (full, with all subtitles)
** https://youtu.be/R1vkiQdEU7M

* Lüül : Morgens in der U-Bahn