Skandal-Band „Frei.Wild“: Konzert am 20.4. in Flensburg abgesagt – Verlegung nach Pahlen

Nie zuvor gab es in der Flensburger Kultur-Geschichte so einen Streit um den geplanten Auftritt einer Kapelle (hier: „Frei-Wild“). Das Flensburger Landgericht hatte am 1. April die Klage des Tourneeveranstalters der Kapelle zurückgewiesen. Ein Auftrittsvertrag mit der Flens-Arena sei nicht zustande gekommen. Wie auf der Website der Band heute (04.04.2019) zu erfahren ist, wird das ursprünglich für Flensburg geplante Konzert nach Pahlen (bei Erfte, Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein) verlegt. Am Sonntag-Mittag (07.04.2019, 11 – 12 Uhr) wollen Fans der Kapelle nun zeigen, dass sie „friedliche Deutschrock-Fans“ seien, berichtet der shz. Geplant sei eine Demonstration an der Hafenspitze in Flensburg. Sie wollten zeigen, dass sie „friedliche Deutschrock-Fans“ seien und „keine gewaltbereiten, der rechten Szene angehörigen Menschen“

Weiter wird bei frei-wild.info berichtet, dass „Kunden die bereits ein Ticket für Flensburg besitzen, … per E-Mail einen Link für die Buchung des Bustickets“ bekämen. Für das Konzert seien „noch Tickets erhältlich“. Wer das Angebot nicht annehmen könne, „habe aber auch die Möglichkeit seine gekauften Karten zurückzugeben“. Weitere Infos sollen auf der Kapellen-Website folgen.

Fan-Demo in Flensburg am Sonntag

Weiter heißt es bei frei-wild.info: „… Die Ankündigung, dass wir uns am 20. April am Nachmittag in Flensburg aufhalten und `all den Menschen dort zu zeigen, dass wir ein echt toller, friedlicher und vor allem lauter Haufen sind`, bleibt natürlich bestehen.

Wir haben uns hierfür auch schon ein paar sehr nette Sachen einfallen lassen. Wir freuen uns auf ein geiles Frei.Wild Frühlingsfest mit unseren Fans.“ Hier weitere Infos

* Die erste Reaktion auf die Entscheidung des Landgerichts folgten vom Flensburger Abgeordnete der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Rasmus Andresen. Er schrieb: „Flensburg bleibt bunt! Ich freue mich, dass die Klage des Tourneeveranstalters von Frei.Wild abgewiesen wurde und das Konzert in der Flensarena damit nicht stattfinden wird.

Viele Flensburger hätten schon vorher „deutlich gemacht, dass in unserer Stadt kein Platz für Nationalismus und Hetze“ sei, berichtet Andresen.

Der Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus, Lasse Petersdotter, ergänzt: „Frei.Wild“ sei „mehr als eine patriotische Deutschrockband in der Grauzone“. Ihre Konzerte füllten „riesige Hallen“ und ihre „Strategie der völkischen Grenzgänge“ machte „rechtes Gedankengut und rechte Szenen anschlussfähig für die Mitte der Gesellschaft“. Sie lieferten damit „einen Soundtrack für den Rechtsruck der letzten Jahre.“

„Frei.Wild“ sei „PEGIDA für die Ohren. Ihre Texte stünden „in der Tradition des Rechtsrocks, der seit den 90er Jahren zunehmend auf mildere Töne setzt und bewusst auf strafbewertete Inhalte verzichtet“.

Für Anhänger*innen rechter Ideologien reichten derweil „Anspielungen und mehr oder weniger versteckten Hinweise auf beispielsweise Hooligan-Szenen und völkische Ideologie.

Aktuell berichten „Frei.Wild“ auf ihrer Fan-Page bei Facebook:

Viel Widerstand in Flensburg
Gegen das Frei.Wild – Konzert hatte sich seit der Ankündigung der Band, in Flensburg spielen zu wollen, Widerstand bei Gegnern der Kapelle gesammelt. Diese verbündet sich unter dem Slogan „Kein Hafen für #Nationalismus“.

Auch der Hallenbetreiber der Flenst-Arena machte wegen der Proteste unter anderem Sicherheitsbedenken geltend.

Der Deutschrock-Gruppe wird von Kritikern eine Nähe zur rechten Szene vorgeworfen. Die Kapelle streitet dieses ab.

Info: „Warum Frei.Wild doch eine rechte Band sind
Zitat: „Du kannst dich nicht drücken, auf dein Land zu schauen
Denn deine Kinder werden später darauf bauen
Sprache, Brauchtum, und Glaube sind Werte der Heimat
Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk.

aus dem Frei.Wild-Song ‚Wahre Werte‘

Mit solchen Werten qualifizieren sich die Südtiroler als Leib- und Magenband der Identitären Bewegung. Wie die Identitären definieren Frei.Wild Identität vor allem über Abgrenzung.

Abgrenzung gegen das Andere, das Fremde. Ihre Identität sei stets und ständig bedroht, ohne die Werte der Heimat sterbe unser kleines Volk.

Heimat: ein zentraler Begriff in der traditionellen Volksmusik – aber auch im Turbo-Volksrock von Frei.Wild.

Allerdings gehen die Südiroler noch einen Schritt weiter, so Thorsten Hindrichs, Musikwissenschaftler an der Uni Mainz: „Bei Freiwild – und da wird es schon ein bisschen kritisch – wird das schon auch mit einer gewissen Blut-und-Boden-Ideologie kombiniert.“ Quelle: BR

Die Band „Freiwild“ hatte sich am 23.03.2019 bei Facebook zu den Vorwürfen geäußert. „Kunstknast Deutschland – Armutszeugnis für die gesamte Demokratie. Was für ein Zirkus in Flensburg…

Sagt ihr es uns, liebe Freunde, aber wo sind wir eigentlich mittlerweile angelangt in diesem Land der Dichter und Denker? Da gibt es eine Halle, die schriftliche Zusagen samt belegbarem E-Mail-Verlauf für nichtig erklären möchte.

Da gibt es eine Oberbürgermeisterin an der Seite von lächerlichen Bündnissen aus Antifa und Co., ja und dann gibt es einige Medien, die dem ganzen Zirkus noch Feuer hinterhergießen, dass es nur so knallt. Was auch lustig ist, dass besagte Oberbürgermeisterin nach mehreren Attacken gegen uns auf das Gesprächsangebot der Band scheißt und sich am Ende aus der Verantwortung zieht.

Leute, wenn Politiker ihre Machtposition ausnutzen und diktieren wollen, wer wann und wo zu spielen hat, dann ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es Sympathien für ein gesetzliches Kunstrichtertum gibt. Und nein, das hatten wir schon mal in diesem Land und das werden wir sicher nicht nochmal hinnehmen.“ Quelle + Ganztext

Dass wir als Neonzis beschimpft werden, finde ich scheiße“ Daniel Wegler, bekennender Frei.Wild Fan

Vor der Gerichts-Entscheidung am 1. April, legten beide Parteien vor dem Landgericht Flensburg am 28. März ihre Argumente vor. Über die juristische Auseinandersetzung zwischen Kapelle und Hallenbetreiber hatten diverse regionale und überregionale Medien berichtet.

Am 28. März standen sich Gegner und Befürworter der Kapelle gegenüber. Im Interview mit dem shz sagte Katrine Hoop, Gegnerin der Kapelle: „Wir erleben einen massiver Rechtsruck in der Gesellschaft und wir wissen auch wohin das führen kann.

Das erlebt man weltweit. Wenn man nicht dafür sensibel ist und rechtzeitig sieht, welche Inhalte transportiert werden, dann läuft man blind in solch eine Entwicklung rein. Gerade in Rockmusik die Inhalte verschleiert, ist es besonders gefährlich für junges Publikum.“

Daniel Wegler, bekennender Frei.Wild Fan, sagte: „Dass wir als Neonazis beschimpft werden, finde ich scheiße. „Frei.Wild“ sei für ihn die „geilste Band überhaupt“. Quelle: shz

Geil?

Zur Info: „Frei.Wild polarisieren“, betont Nils Raupach (nebenberuflich in der Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus sowie als Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Kiel tätig), sie würden von ihren Fans als „heimatverbundene Patrioten gefeiert“.  Kritiker werfen ihnen „völkische und nationalistische Texte“ vor.

„Frei.Wild“ – Frontmann Philip Burger hat tatsächlich eine extreme Vergangenheit bei den „Kaiserjägern“, die mit Gewalt verherrlichenden Liedern bekannt wurden. Davon distanzierte er sich heute, wie überhaupt seine Band mehr in Richtung Bekenntnislyrik strebte und von sich sagt, dass sie „Volksmusik mit verzerrten Gitarren“ machen.

Deshalb distanzieren sie sich von Neonazis und Pegida und betonen, sie seien völlig unpolitisch.

Ihre Songs enthielten aber „durchaus politische Botschaften“. Im Lied „Wahre Werte“ ginge es um Heimatverehrung, in der Andersdenkende nicht willkommen seien:

Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen? Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen…

Genau das machte den rechten Deutschrock aus: Textzeilen, die mit der Abwertung anderer und der Überhöhung der eigenen Heimat spielten, sich zum deutschen Volk bekennen, Gemeinschaft, Stärke, Männlichkeit und Ehre besingen – und in einigen Fällen auch Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung propagieren.

Ein Outlaw-Image, Konfrontation und diffuse Feindbilder kämen hinzu. „Menschen, die auf der Suche nach Identität sind, werden oft von dem Wir-Gefühl einer grölenden Masse auf den Deutschrock-Konzerten mitgerissen. Hier ist eine Schnittstelle, die von völkischen Liedtexten zu Ausgrenzung und Rassismus führen kann“. sagt Nils Raupach.“ ## Ende PM ##

Horgh Taake kommentuierte am 15. September 2016 bei Facebook:

Vielen Dank nochmals für diese tolle Veranstaltung. Wie bereits in der Veranstaltung angemerkt, hat mir Herr Raupach die mühevolle Arbeit abgenommen, sämtliche „Freiwild-“ und sonstige Texte selber zu durchforsten, um Argumente für die Rechtslastigkeit der Texte zu finden.

Die ausgewählten Beispiele waren toll und wie bereits in der Veranstaltung von einem der Anwesenden angemerkt, sollten die Beispiele noch stärker ausgebaut werden. Das hilft ungemein, um den üblichen Ausreden „die wollen doch nur feiern“, „die sind unpolitisch“, „man darf doch ein bisschen Stolz auf seine Heimat sein, oder?“ usw. entgegenzutreten. Ich freue mich schon auf eine Folgeveranstaltung.https://www.facebook.com/events/322583258086783/?active_tab=discussion

Proteste gegen die Kapelle gibt es bundesweit und auch in Österreich und an vielen anderen Orten, hier eine Auswahl:

– Ein am Ostersonntag geplantes Konzert der Gruppe „Frei.Wild“ in der Uelzener Jabelmannhalle führt zu Aufsehen. In einem Offenen Brief wird der Jabelmannhallen-Chef aufgefordert, der Band keine Bühne in Uelzen zu bieten. (Link zum Artikel)
– Kritik an Frei.Wild-Auftritt in Oberschwabenhalle Allgäu ⇏ rechtsaussen (Pressemitteilung)

– „freiwild protest“ von unsertirol24
Hallenbetreiber will Frei.Wild nicht mehr auftreten lassen unsertirol 24-21.03.2019

Bündnis protestiert gegen Konzert von Frei.Wild – buten un binnen https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/…/protest-vor-freiwild-konzert100.html

13.04.2018 – Bündnis protestiert gegen Konzert von Frei.Wild.

Hannover: Linke Proteste gegen Konzert von Frei-Wild – NP – www.neuepresse.de › Hannover

Logo: Tom Dräscher, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=8081565