Intimer und intensiver Blick hinter die Kulissen und die Geschichte des Fotojournalismus

Das „Handbuch des Fotojournalismus“ ist als Festeinband sowie E-Book zu erwerben. Als Zielgruppe seien Fotografen (Profis und Amateure), Fotojournalisten (in der Ausbildung), Bild- und Textredakteure, Journalisten genannt. Aber auch Blogger, die (foto)journalistisch arbeiten (wollen), bietet das Buch eine Lektüre zum Lernen und Weiterbilden. Warum es sich lohnt, dieses Buch zu erwerben, werde ich hier erläutern. 

Die beiden Autoren *Prof. Lars Bauernschmitt und**Michael Ebert kommen vom Fach, sie lehren u.a. an der Hochschule Hannover im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie. Prof. Lars Bauernschmitt fundierte zudem fünfzehn Jahre lang als Geschäftsführer der Fotoagentur VISUM und kennt das Geschäft der Agenturfotografie aus dem Effeff.

Bauernschmitts und Eberts „Handbuch des Fotojournalismus“ darf man als Standardwerk bezeichnen, geben die beiden Autoren doch dem Leser alles an die Hand, was für den professionellen Einsatz als Fotojournalisten wichtig ist.

Was bietet das Buch?
Das Buch gliedert sich in 17 Kapitel. Die Autoren beginnen in den ersten drei Kapiteln mit einem Abriss der Geschichte des Bild- bzw. Fotojournalismus ( „Die frühen Pioniere“, „Das erste goldene Zeitalter des Fotojournalismus“ und „Die Ära der großen Bilder“). Neben Geschicke und Geschichten der Fotografen gibt es Annekdoten, Interviews mit Machern sowie hervorragende Fotostrecken.

In den weiteren Kapiteln (4 bis 13) geht es ins Eingemachte und Praktische: Der Leser erhält Kenntnisse über Ausdrucksformen und Sujets und zeigt, was dieses aufzeichnen und wie diese erstellt werden, er erhält Infos über die Ausrüstung (Kameras, Objektive, Hardware und Software im Fotojournalismus).

Kapitel 4 zeigt die „Bildjournalistischen Ausdrucksformen und- Mittel“ auf. Was zeichnet eine Fotoreportage, eine Serie, einen Essay und eine Bildstrecke aus? Es werden Beispiele von Fotografien und Reportagen gezeigt, die Geschichte schrieben und in den großen Zeitschriften und Zeitungen abgedruckt wurden: und, die die Welt ein auch ein bisschen verbesserten.

In den Kapiteln 5 bis 11 geht es um die fotografischen Sujets:
Lokaljournalismus; Sportfotografie; Kriegsfotografie; Paparazzi; Politik; Fotojournalismus in PR- und Öffentlichkeitsarbeit; Natur- und Wissenschaftsfotografie.

Kapitel 14 beschäftigt sich mit dem „Bildermarkt – Fotos als Ware“, zeigt u.a. „Marktsegmente auf (die für jeden Fotografen, die Geld verdienen wollen wichtig sind) und schließt die Frage ein: Was muss man als zukünftiger Fotojournalist investieren und was kommt auf einem zu (Administratives).

Im 15. Kapitel geht es um eine mögliche Einnahmequelle und Partnerschaft: „Die Zusammenarbeit von Fotograf und Bildagentur“.

Ein ganzes Kapitel (dem 16.) ist dem wichtigen Thema „Markt/Fotojournalismus und Recht“ gewidmet.

Das letzte (17.) Kapitel schließt mit dem leidigen Thema „Perspektiven / Gedanken zur Zukunft des Fotojournalismus.

Fazit des Verfassers:

Lesbarkeit: positiv! Das Handbuch ist angenehm zu lesen, die Texte sind gut recherchiert und umfassend illustriert. Die vielen qualitativ hochwertigen Abbildungen unterschiedlicher publizistischer Produkte, von Tageszeitungen über Magazine bis hin zu Fotobüchern aus allen Epochen, bieten einen spannenden Blick auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten journalistischer Fotografie.

Die Kapitel 4 bis 11 haben sehr gefallen und bieten Inspirationen für die Arbeit. Die beiden Autoren machen es aber dem Leser, der sich selbstständig machen will, nicht leicht: Investitionen für Technik von mind. 15.000 Euro sind üblich. Auch in punkto „harter Konkurrenz“, sinkende Honorare, Krise der Agenturen und Verlage, werden schonungslos aufgetischt. So endet das Buch mit einer nüchternen Tatsache: Nur wenige können in der Fotojournalistenszene von den Einnahmen „leben“, es wird auch „keine Prognose“ und „kein Fazit“ postuliert.

Der Verfasser vermisst Kritisches über das Image des Berufes: das Geschreie über „Lügenpresse“, die zuweilen krude Rechthaberei von Fotografierten, die Angriffe auf Fotojournalisten in Deutschland, die immer schwierigeren Arbeitsbedingungen – und: die fehlende Anerkennung durch Redaktionen, Leser und Nutzer. Insbesondere investigativ arbeitende und freie Fotojournalisten geraten nicht selten ins Kreuzfeuer falscher Kritik; sind es doch gerade diese Fotojournalisten, die einen Teil dazu beitragen, dass Meinungsbildung möglich ist und die Demokratie erhalten – und weiter kontrolliert bleibt.

Weiter findet es der Verfasser schade, dass dem Kapitel „Eigenverlag“, Eigenmarketing, Akquise/Vertrieb sowie „mobiles Blogging / Reporting“ und vor allem dem Multimedia Storytelling wenig Raum geboten wurde. Gerade letztgenannte Elemente („mobiles Blogging / Reporting“, „Multimedia Storytelling“) böten neue Aufgaben und Einnahmequellen und den Nutzern neue Perspektiven der Geschichtenerzählung und Nutzungsmöglichkeiten (auf Tablets und dem Smartphone).

Unter dem Strich erhält der Leser dennoch ein starkes Buch, er kann hervorragende Fotos genießen (die man sicher hi und da schon mal gesehen hat) und erhält Informationen an die Hand, die es so kaum bisher in einem Buch über Fotojournalismus zu finden gab.

Über die Zukunft des Berufes und seine Chancen kann man streiten. Es ist aber immer noch positiver, die Fakten über den Berufsstand zu nennen, statt zu schweigen. Und eines bietet der Beruf des Fotojournalisten definitiv: Abwechslung, Spannung, Geschichten und Geschicke und Freude. Den beiden Autoren sei Dank für den intimen und intensiven Blick hinter die Kulissen und der Geschichte des Fotojournalismus. Der Verfasser kann dieses Werk empfehlen!