Inspirierendes Buch: „Der fotografische Blick: Ein grafischer Ansatz“

Beim Verlag mitp ist das Buch „Der fotografische Blick: Ein grafischer Ansatz“, von dem weltbekannten Fotografen und Autoren Michael Freeman* erschienen. Um es vorweg zu nehmen: Dieses Buch ist eine Inspirationen und bietet auf 190 Seiten einen Fundus mit Anleitungen für hervorragende Fotografien und Tipps.

Doch was besagt der Titel und was ist der Inhalt? Wer als Hobby- und Profifotograf Freude an seinen Bildern haben, kreativ arbeiten und nicht nur gute sondern exzellente Fotos erstellen, und sich von der großen Masse abheben will, muss auf einige Dinge achten, genau genommen drei:

– Erstens die Fähigkeit, die Technik (Blende, Zeit, ISO, Weißabgleich, Focus) zu beherrschen.

– Zweitens das Visuelle: sehen, verstehen, Bildausschnitte und Komposition wählen.

– Und drittens : die Konzeption. Freeman schreibt dazu: „im Grunde geht es (…) darum, genau zu wissen, was man fotografieren und darstellen will.“ Stehen „Schönheit, Dramatik oder ein Spektakel“ in dem Focus, oder soll das Publikum „zu etwas überredet werden. Oder mit der Kamera eine Geschichte erzählen?“ (…)

Und er führt fort: „In diesem Buch konzentriere ich mich vor allem auf visuelle Fähigkeiten„, die sich, und da ist der Autor ehrlich, „allerdings ohne technische Kenntnisse nicht umsetzen lassen, zum Beispiel müssen wir wissen, wie Sie (Anmerkung Verfasser: der Leser) die richtige Schärfentiefe für ein bestimmtes Motiv wählen und welche Belichtungszeit Ihnen dazu die gewünschte Bewegung oder deren Stillstand im Bild liefert.“ Zitat: „Der fotografische Blick: Ein grafischer Ansatz“, Seite 7.

Um was geht es?
Wer sich intensiver mit dem Fotografieren beschäftigt, sind Begriffe wie „Goldener Schnitt“, „Drittelregel“, „Rettungsschuß“, „Bewegungsunschärfe“, „Mitzieher“, „Diagonale“, „Horizontale“ nicht neu. Aber schon mal was von „Rahmen aufbrechen“, Two-shot“, „Tableau“ oder „Shift“ gehört? Diese genannten und 80 weitere Bild-Gestaltungs-Möglichkeiten finden sich – zusammengefasst in 10 Kapiteln in dem Buch. Und dass macht dieses Buch so reizvoll und empfehlenswert: Es finden sich Blick-Richtungen, die selbst Profis noch nicht kannten – und die es nun zu entdecken und auzuprobieren gilt.

Jeweils auf einer Doppelseite werden wichtige Gestaltungselemente wie z.B. Bildausschnitt, Platzierung, Standort, Optik, Bewegung oder Farbe in ihre Facetten aufgeteilt und ihre Dynamik und Wirkung grafisch und ohne viele Worte erklärt.

Und eben das grafische Nacherzählen und Erläutern macht dieses Buch so gut: Der Leser lernt durch die Bilder und als Hilfsmittel, die dazugehörigen Grafiken, die die Wurzel der Visualisierung ausmachen, warum ein Foto einen in den Banne ziehen, warum man in das Bild quasi hinein fällt mit seinen Sinnen. Je mehr man sich mit den Bildern und dahinterstehenden Grafiken anschaut, die die Fotos zu erkennen geben, die zeigen, wie der Blick „arbeitet“, umso mehr lernt das Gehirn hinzu.

Unbewusst, und das kann der Verfasser bestätigen, geht die Theorie, die man anhand der Bilder/Grafiken nachzeichnen kann, in die Praxis über. Und das Schöne: Man „braucht“ keine Models, keinen Urlaub in exotische Gegenden in der Welt zu erkunden: Dieser Blick, den man für die Schönheit der Umgebung lernt, die Motive dafür, die findet man vor der Haustüre. Man muss nur einfach rausgehen, seine Augen und Ohren spitzen und innerlich abrufen, was man erlernt hat: und schon findet man Motive, die andere vielleicht nicht sehen und die man halt gerade im richtigen Moment fotografiert.

Dieses alles ist eine Sache der Übung – und die macht einen Meister. Wie auch Michael Freeman, der als einer der ganz Großen gilt. Er ist nicht nur Meister der Gestaltung sondern auch des Lichts. Und, und das ist auch nichts neues: man lernt durch die großen Künstler.

* Michael Freeman ist ein international bekannter Fotograf und Autor, der sich auf Reise, Architektur und asiatische Kunst spezialisiert hat. Er ist zudem bekannt für seine Expertise bezüglich Special Effects. Er arbeitet für renommierte Magazine wie National Geographic und hat bereits mehr als 20 Fotografie-Bücher verfasst.

Fotos: Verlag mitp, „Der fotografische Blick: Ein grafischer Ansatz“

1

2