(Kein) Bock auf diesen Kapitalismus? – Hofgespräch des DGB mit Ulrike Herrmann

„Die Wirtschaft muss schrumpfen“.  Am 03.09.2020 nahm teil Ulrike Herrmann, deutsche Wirtschaftsjournalistin und Publizistin in Flensburg im Hof des Flensburger Gewerkschaftshauses an einem Diskussionsabend des DGB: Das Motto hieß: „(Kein) Bock auf diesen Kapitalismus?“.  Frau Herrmann kennt übrigens Flensburg, war sie doch 1986 für drei Monate im Volontariat beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag.                                              „Viele Menschen in Deutschland zweifeln am Kapitalismus“, titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung noch im Januar. Nur noch jeder Achte glaubte danach, dass sie oder er von einer wachsenden Wirtschaft profitiere und das herrschende Wirtschaftssystem ihr/ihm nütze. Die Menschen, so die Autoren, seien auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen. Dazu gehörten die Klimakrise und der technologische Wandel.

7 Monate später und inmitten einer von Corona bedingten Wirtschaftskrise stellen sich diese aber auch neue Fragen. Gelten die Befunde von „vor Corona“ auch nach Corona“? In welcher Krise steckt dieser Kapitalismus heute? Gibt es etwas zu lernen aus dem Umgang dieses Kapitalismus“ mit Corona? Und: Ist ein anderer Kapitalismus denkbar, der nicht auf Menschen- und Ressourcenausbeutung setzt?  Wie lassen sich soziale Frage, Wachstumskritik und Klimawende so miteinander verknüpfen, dass Zukunftsängste keine Grundlage finden?

Man muss verhindern, dass es unterwegs zu einer so schweren Krise kommt, dass viele Menschen in ihrer Verzweiflung rechte Populisten wählen und die Demokratie in Gefahr gerät.

Kein einziger Wirtschaftswissenaschaftler erforscht, wie man den Kapitalismus als Gesamtsystem transformieren könnte. „Wir fahren vor eine Wand, aber niemand erforscht den Bremsweg, sagte sie.

Sehr gute Informationen zu dem Herrmann-Thema, die auch an dem Donnerstags-Abend zur Sprache kamen, finden sich in einem Artikel bei Planet Wissen: „Kapitalismus ist Wachstum“, 

Kritisch ging Herrmann bei dem Grünen Topp-Thema Kohleausstieg und  Grünen Wachstum um. Zwar unterstütze sie die Energiewende, sie stellte zugleich die erheblichen Probleme beim Kohleausstieg dar.

Man müsse sich „die Größe der Aufgabe klarmachen“, sagte Herrmann. Die Möglichkeiten einer grünen Wirtschaft würden „auch von Umweltschützern überschätzt: Ökologische Wirtschaft braucht Strom“.

Denn die einzige Energieform, die man überhaupt ökologisch herstellen könne, sei Strom – zum Beispiel durch Windkraft oder Solarenergie. Für eine ökologische Wirtschaft müsse man entsprechend die gesamte Wirtschaft auf Strom umstellen – den Verkehr, die Wärmeerzeugung, die Industrie – alles.

„Die Wirtschaft muss schrumpfen“, sagt Herrmann. Wer die Wirtschaft auf Ökostrom umstellen wolle, müsse auf Wachstum verzichten. „Oder noch schlimmer: Die Wirtschaft muss schrumpfen.“ Auch viele Umweltschützer seien der Ansicht, dass man so eine Art grünes Wachstum haben könnte. Das halte sie für eine Illusion.