Messerangst in Deutschland: Reine Panikmache oder berechtigt?

„`Mann kam mit großem Messer herangestürmt“ – Zwei Frauen in Göttingen getötet „Das ist eine Reaktion, die überhaupt nicht nachvollziehbar ist* //

Messerangst in Deutschland: Reine Panikmache oder berechtigt? Was ist zu tun? Die Angst geht rum, wenn man sich die sogenannten Statistiken und Berichte über tödliche Messerattacken in ganz Deutschland anschaut. Gefühlt. Die Zahl der Messer-Angriffe, so wird kolportiert, habe in Deutschland „dramatisch zugenommen“. Alleine in Flensburg wurden innerhalb eines Jahres zwei junge Menschen totgestochen:

Ein 18-Jähriger hatte am 12.03.2018 seine Freundin (17) erstochen. Am 16.07.2017 wird ein 20-Jähriger in der Haustür seiner Eltern erstochen, mit einem Butterflymesser.

Am 24.11.18 sticht in der „Flensburg Galerie“ ein 22-jährigen Syrer mit einem Messer auf einen 20-jährigen Mann ein, der sich lebensgefährlich verletzte. Weiters soll der Tatverdächtige einen 19-Jährigen schwer verletzt haben.

Hier weitere Fälle, wo ein Messer als Taterkzeug zum Einsatz kam (alles original Polizeimeldungen, hier gekürzt dargestellt):

30. Mai 2018: Ein Mann und eine Frau wurden nach ersten Erkenntnissen durch Messerstiche verletzt. Bei der Frau handelt es sich um eine 22-jährige Polizei|beamtin, die nach gegenwärtigem Sachstand ihre Dienstwaffe eingesetzt hat.

25. Juni 2018: Pole ohne Führerschein aber mit Messer kontrolliert (…) In der Hosentasche fanden die Bundespolizisten noch ein Einhandmesser. Dieses stellten die Beamten sicher. Der 24-jährige Pole muss sich nun u.a. wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

8. Juni 2018: Zwei Verhaftungen am Bahnhof – Messer sichergestellt.
Bei der Kontrolle im grenzüberschreitenden Zug aus Dänemark wurde ein 21-jähriger Tunesier verhaftet. … in seinem Gepäck ein Einhandmesser (siehe Bild). Dieses wurde sichergestellt. Er muss sich nun wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

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29. August 2018: Polizeibeamte schießt halbnackten Mann ins Bein // Dieser war mit Messer in beiden Händen bewaffnet und fügte sich selbst Verletzungen zu.

23. Juli 2018: Körperverletzung mit Messer
In der Flensburger Neustadt (kam es) zu einem Streit, der in einer Auseinandersetzung mit drei leicht verletzten Personen endete. Zwei Personen erlitten oberflächliche Schnittverletzungen. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

8. März 2017: 16-jähriger aus Syrien stamender junger Mann bedroht Mutter mit Messer: Polizei beendet Bedrohung ischnell.

13. März 2018: Schüler (18) mit Besenstil auf Schulhof traktiert, Täter (18) führte ein Messer bei sich.

13.11.2017: Raubüberfall in der Marienstraße, Täter hatte ein Messer in der Hand und sagte zu ihr “Geld” und “Karte”. —Ende– Dieses sind nur einige Beispiele.

Was ist zu tun?

In der ARD Doku “Messer machen Mörder” hieß es, dass Messerangriffe polarisierten “wie kaum ein anderes Thema”. In der Doku wird der Frage nachgegangen, wie sich “diese Entwicklung stoppen” ließe.

Hier den Beitrag nachgucken (bis 22.09.2010 verfügbar). https://bit.ly/2mAC4Zi

Film-Analyse

“Die Zahl der Meerattacken steigt seit Jahren”, hören wir. “Warum trägt jemand ein Messer bei sich uns sticht scheinbar grundlos auf einen ein?”, wird gefragt.

In Niedersachen habe es im letzten Jahr alleine 3.500 Messerattacken gegeben. Kaum ein Tag veringinge, “an dem nicht irgendwo in Deutschland zugestochen wird, die Medien berichteten darüber.

Wer sind die Täter/innen? Ausländer schuld?

Die Frage wird gestellt, ob Ausländer / Flüchtlinge an dem Anstieg von Delikten mit Stichwaffen verantwortlich seinen. Gab es einen Anstieg nachdem vermehrt Flüchtlinge 2015 nach Deutschland kamen? Dirk Beier, Gewaltforscher meint, “die Flüchtlinge haben die Messer nicht nach Deutschland gebracht”. Seit 2013 führt jeder Vierte männliche Jugendliche, laut einer Befragung, ein Messer bei sich. Nach der Flüchtligswelle seien die Zahlen gestiegen.

Es sei “kein Flüchtlingsthema” sondern ein “Jugendthema”. Dennoch: Der Anteil der nichtdeutschen Tatverächtigen mit Einsatz einer Stichwaffen ist hoch – und das seit Jahren. Die Statsitik sagt dieses:

In NRD lag er 2019 knapp unter 38 %.

In Hessen lag der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen 2013 bei 44 % und stieg danach weiter an auf 57 %. im Jahre 2018.

Besonders junge Männer tragen und benutzen Messer, wie Gewaltforscher Beier sagt, “um sich ihrer Identität zu versichern”.

Warum tragen Jungendliche ein Messer bei sich?

1. Man wolle sich schützen, sagt Beier. 2. Man wolle etwas “darstellen”, zeigen, das man “stark” sei, das man seine “Identität unterstreiche”, das Messer sei ein Symbol für Männlichkeit.

Ein Polizeiausbilder sagt, “mittlerweile hat fast jeder ein Messer bei sich, mit dem Argument, er müsse sich verteidigen”.

Im Weiteren werde Schicksale von mehreren Personen gezeigt, die Opfer von Messerangriffen wurden und es wird gesagt, es sei, um eine Opfer-Entschädigung zu bekommen, ein langjähriger, mühsamer Weg. Auch der Fall der Tötung eiees jungen Mannes kommt zu Wort.

Ein Täter wurde zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Er wollte, so die Sprecherin aus dem Off, “einfach mal erleben, wie es ist, jemanden zu töten”.

Ein Opfer beklagt, dass junge Menschen zu leicht an Messer heran kämen, man müsse das strenger kontrollieren.

Messer als “Modeerscheinung”?

Ein Messer mit in die Schule zu nehmen, sei zur “Mode” geworden, hätten Forschungen des Kriminologischen Forschungsinstitus Niedersachesen ergeben. Die Zahlen sind erdrückend:

Der Anteil der Schüler, die in der Schule ein Messer bei sich trügen, steige: von 8,3 % im Jahre 2013 auf 12, 5 % im Jahre 2017. In der Freizeit siehe es noch gravierender aus: Im Jahre 2013 hätten über 27 % ein Messer bei sich getragen, im Jahre 2017 stieg die Zahl auf über 31 %. Unglaublich!

Prof. Dr. Dirk Baier von der ZHAW (Soziale Arbeit Institut für Delinquenz und Kriminalprävention) in Zürich, der an der oben aufgeführten Studie beteiligt war, meint: “Schüler, die selbst Gewalt erleben, neigen eher dazu sich zu bewaffnen. Vor allem mit Messern”. Messer seien “Eskalationsinstrumente”, die Möglichkeit, dass er zu Gewalt kommt, verdoppelt sich, einfach weil das Messer dabei sei”. Sie fühlen sich sicherr, unangreifbarer und begeben sich dadurch leichter in gefährliche Situationen, weil sie meinen etwas bei sich zu haben, was sie schützen könne”.

Was tun? / Präfention / “Du brauchst kein Messer – Messer machen Mörder!”

In Berlin wurde vor sieben Jahren das Schul-Projekt “Messer Machen Mörder” ins Leben gerufen. Leiter ist Polizist Gordon Roloff, in dem Film wird ein Ausschnitt einer Schulung von 9.-Klässlern gezeigt. Die Worte des Polizisten wirken, so ist zu sehen.

“Ey du Hurensohn”

“Na klar, alle haben ein Messer dabei, wie es sich gehört”, er schldert einen Konflickt, ein Jugendlicher wird beleidigt, der Beleidigte greift zum Messer, sticht auf de Beleidiger ein, er trifft die Lunge des Menschen, er röchelt noch kurz, die Lunge versagt, der junge Mensch stirbt, und das alles in wenigen Minuten. In wenigen Sekunden, in denen der Messerträger eine falsche Entscheidung fällt, wegen einer Beleidigung.

Der Polizist fragt die Schüler: “Hätte eure Mutter diesen Mord als gerechtfertigt erwachtet, jemanden zu töten nur wegen einer Beleidigung”? Die Schüler stimmen dem Polizisten zu, sind tief beeindruckt, auch schon von der Erscheinung des Polizisten und die Art, wie er die Tat und die Folgen schildert. “Was ist pssiert?”, fragt der Polizist – beeindruckend!

Der Polizist sagt, “die falsche Entscheidung fand schon zuhause statt, in meinem Zimmer, ich bewaffne mich”.

Prävention: Helfen Waffenverbotszonen, wie in Hamburg, Bremen und Frankfurt?

Die Lage in Bremen (Region Hauptbahnhof) habe sich deutlich entspannt, sagt der Innensenator Mäurer.

Bremen und Hessen starteten im Mai 2019 eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel das Waffengesetz zu ändern. Das Führen von Waffen solle auch im öffentlichen Raum versagt werden können. Diese Forderung stieß auf Ablehnung bei den Linken, sie sehen Bürgerrechte in Gefahr.

Im Weiteren wird eine Waffenverkäuferin, Katja Triebel, porträtiert, sie schildert ihre Arbeit, stellt einige Messsr vor und sagt locker, Kunden würden die sammeln und würden die Auslage bestaunen und sagen, “och, sowas habe ich noch nicht, das würde ich doch gleich mal kaufen”.

Messer, die einen “Zweck” erfüllten, sagt die Händlerin, wie Jagt, Angeln, seien erlaubt. Waffenverbotszonen findet die Verkäuferin falsch und sie hat eine Petition in ihrer Stadt gestarte, mit goßen Erflolg: über 65.000 Unterstützer.

“Nur wenn man ein Messer benutzen (hier: Menschen töten) könnte, kann man es nicht von vornherein verbieten”.

Am Ende kommen zwei Berliner Polizisten zur Rede, Messer kämen doch “oft mit ins Spiel”, sagt eine Politessin. Ob ein Taschenmesser oder Küchenmesser.

Über 2.700 Straftaten mit Stichwaffen wurden 2018 registriert, mehrheitlich Jugendliche.

Die Politessin meint, dass es mehr Messerangriffe gegeben hätte, das sei aber “nur ihre persönliche Meinung”.

Fazit aus dem Off: “Das Problem mit der Bewaffnung mit Messern sei nach wie vor ungelöst. Die Opfer und ihre Angehörigen müssen mit den Folgen alleine zurecht kommen. Die Politik unterschätzt die Gefahr immer noch, trotz erster Bemühungen – und selbst dagegen gäbe es Widerstände.

“Wir müssen an die Persönlichkeit der Menschen heran”, sagt Prof. Dr. Dirk Baier. Man müsse ihnen verständlich machen, das Messer oder andere Waffen nicht etwas Nützliches seien.

Schlusswort aus dem Off: “Die Bewaffnung mit Messern steht im Widerspruch zur demokratischen Gesellschaft, denn die Freiheit in einer solchen Gesellschaft besteht grade darin, dass man sich überall ohne Angst bewegen kann.”

Film-Kritik
Die Autoren des Films versäumten es, tiefer in die Seele der Täter/innen hineinzuschauen. Wie kommt jemand dazu jemanden anderen mit einem Messer zu verletzten oder zu töten?

Wer als Kind in Liebe, Achtung und Respekt aufwächst, wer Gewaltfreiheit erlebt, wer in Frieden und relativen sozialer Sicherheit aufwächst, empfindet und lernt Empathie.

Wer empathisch ist, wer fühlen, nachsinnen kann, wer einen anderen Menschen und das Leben allgemein achtet und geschützt aufwächst, kommt nicht auf die Idee, jemanden mit einem Messer zu töten. Er kann wohl grundsätzlich nicht töten, außer in Notwehr.

Die beste Prävention ist der Schutz, dass kein Mensch erst zu einem Verbrecher wird, Kinder schützen, Kinderrechte achten. Kinder, die gequält, gehänselt, gedemütigt, vernachlässigt werden, laufen Gefahr als Jugendlicher und Erwachsener selbst Gewalt auszuüben und zu Täter zu werden.

Zwar wird nicht jedes Kind, das geschlagen, misshandelt, vernachlässigt wird, später zu einem Täter, aber es sollte Ziel in einer Gesellschaft sein, wie in es in dem Film heißt, dass sich jeder, auch Kinder überall ohne Angst bewegen können, ob zuhause, in der Schule, beim Sport oder wo sonst auch immer. Gewaltprävention ist der besten Schutz und sollte unser aller Aufgabe sein.

Im Weiteren sollte der Gedanke auf einen Verbot von Stichwaffen ins Gespräch kommen. Der bekannte Richter Thomas Fischer schrieb: „Das wichtigste Kampfmittel gegen die Messerflut aber ist bislang so geheim, dass überhaupt noch niemand darauf gekommen ist es vorzuschlagen, obwohl es des deutschen Sicherheitsfreunds treuester Begleiter ist: Messer einfach verbieten!“ Media https://bit.ly/2oak8p7

Foto: Offener Messerverkauf in eiinem Flensburger Fachgeschäft. Alleine in der Innenstadt gibt es drei solcher Geschäfte, eines im Citimarkt. Welcher Sinn besteht darin? Um sich überall ohne Angst bewegen zu können?

#bewaffnung #messer

* Göttingen: Ermittlungen wegen zweifachen Mordes
Zwei Frauen in Göttingen getötet. Reaktion der Polizei: „Das ist eine Reaktion, die überhaupt nicht nachvollziehbar ist“. Das ist schon hilflos, was da gesagt wird, besser einfach nichts sagen.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Goettingen-Ermittlungen-wegen-zweifachen-Mordes,toetungsdelikt196.html