Vortrag Prof. Dr. em. Hermann Knoflacher „Verkehrsprobleme und mehr“

Der international renommierte Verkehrsforscher und Verkehrsplaner Prof. Dr. em. Hermann Knoflacher (Uni Wien) hat am Abend des 26.10.2018 vor ca. 200 Menschen im Flensburger Schifffahrtsmuseum einen Vortrag gehalten. Der Titel hieß „Verkehrsprobleme und mehr“. Alle Sitzplätze waren belegt und die Zuschauer gebührten dem charmanten und eloquenten Beitrag des Herrn Professors am Ende mit Applaus.

Unter den -meist jungen Zuschauen- warnen auch einige Lokalpolitiker: Pelle Hansen (Grüne) und Glenn Dierking (SSW). Mitglieder der Facebook-Gruppe „Radfahren in Flensburg und Umgebung“ kritisierten, dass mutmaßlich keine Vertreter der IHK Flensburg dabei waren. Ebenso Vertreter politischer Parteien, „die Maßnahmen zum Masterplan Mobilität meist ablehnen“ (lt. „Radfahren in Flensburg und Umgebung“), seien nicht zugegen gewesen sein. „Aber bei den nächsten SUPA-Sitzungen werden sie wieder da sein!“, hieß es süffisant bei Facebook.

Prof. Dr. em. Hermann Knoflacher bekam Lob auf der einen Seite: Er sei ein „guter Mann mit Weitblick“ meinen andere, er böte „großes Kino“, sei „absolut empfehlenswert, ein „Top Mann!“. Ebenso sei der Professor ein Mann, „der Wert auf Bildung mit kritischem Hintergrund legt, anstatt unreflektierter Ausbildung für Industrie.“ Daneben könnten seine Vorträge in einem Kabarett vertreten sein, so unterhaltsam, wie er Argumente und wissenschaftliche Erkenntnisse kommuniziert.

Auf der andere erntete der Professor Kritik: Er habe in Wien den Autofahren die Laune vermiest. Unter Knoflachers aktiven Zeit als „guter Mann mit Weitblick“ habe er in Wien bewusst Staus gewollt und an Ampeln rote statt grüner Wellen eingeplant. Er wird kritisiert, weil durch die gehäuften Brems- und Beschleunigungsvorgänge, Wartezeiten im Leerlauf erhöhten und durch sehr niedrige Geschwindigkeiten der Schadstoffausstoß, Kraftstoffverbrauch und Lärm deutlich zugenommen hätten.

Knoflacher ist Kritiker der automobilen Gesellschaft
Das Auto sei für Knoflacher „wie ein Virus“: Im Zeit-Interview wird er wie folgt zitiert: „Wir ziehen uns mehr oder weniger freiwillig in abgedichtete Häuser mit Lärmschutzfenstern zurück, um den Außenraum dem Krach, dem Staub und den Abgasen der Autos zu überlassen“.

Von Prof. em. Hermann Knoflacher (Universitaet Wien) 1975 entwickeltes „Gehzeug“; fotografiert am 25.10.2018 in Flensburg vor dem Flensburger Schifffahrtsmuseum

Protest: „Gehzeug“
Knoflacher kritisiert die Irrationalität des Straßenverkehrs, vor allem des städtischen, und an dessen relativ hohem Platzbedarf. Um die Problematik unseres Verkehrswesens aufzuzeigen, entwickelte er 1975 das „Gehzeug“ (siehe Foto). Dabei handelt es sich um einen Holzrahmen, den sich Fußgänger umhängen können, um dieselbe Fläche wie PKW-Fahrer in Anspruch zu nehmen. Es wird vor allem in Österreich in Demonstrationen gegen den Autoverkehr eingesetzt.

„Deutschland (ist ein) von den USA besetztes Land“
Neben der Verkehrspolitik hat Knoflacher auch sonst eine politische Meinung. Über die Deutschen sei er enttäuscht. In einem Kommentar in der Ausgabe der Wochenzeitung „Die ganze Woche“ bescheinigte er die Bundesrepublik Deutschland als US-hörig, ja sogar als immer noch besetztes Land. Die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und des Außenministers Frank-Walter Steinmeier empfindet er als „unselig“.

Dass Deutschland nach wie vor ein besetztes Land ist, in dem die Amerikaner ihre Atomraketen aufstellen, Stützpunkte betreiben und alles, was ihnen passt, aushorchen, den Euro schwächen und Europa von den Rohstoffmärkten Russlands abschneiden wollen, ist längst kein Geheimnis mehr. Dass sich aber eine Regierung für die kriegslüsterne Lügenpropaganda der Amerikaner hergibt, ist schwer erklärbar“ Quelle: unzensuriert.de