Mecklenburg-Vorpommern: Dr. Wolfgang Wodarg wird Spitzenkandidat für „Die Basis“

Er gilt ob seiner Meinung zum Thema Corona als umstritten, manche halten ihn für unseriös, habe er sich doch selbst als Arzt disqualifiziert. Für andere gehört der Schleswig-Holsteiner zu den Stars der Corona-Verharmloser-Szene: Der frühere Flensburger Amtsarzt Dr. Wolfgang Wodarg (74). Nun will Dr. Wodarg für die Partei „Die Basis“ (Basisdemokratische Partei Deutschland) wieder in den Deutschen Bundestag nach der Wahl im Herbst 2021 einziehen. In Mecklenburg-Vorpommern ist er am 24.04.2021 zum Spitzenkandidaten der Partei „Die Basis“ (Basisdemokratische Partei Deutschland) in Mecklenburg-Vorpommern gewählt worden. Warum in Mecklenburg-Vorpommern?

Ganz einfach: Er tritt nach eigener Aussage im Nachbarland an, weil die Kandidatenliste für Schleswig-Holstein auf einem Parteitag bereits aufgestellt wurde.  Dr. Wolfgang Wodarg war schon mehrere Jahre Mitglied des Deutschen Bundestages:

Von 1994 bis 2009 vertrat der als Abgeordneter die SPD im Bundestag und war dort Initiator und Sprecher der Enquetekommission Ethik und Recht der modernen Medizin. Ferner zeichnete er sich verantwortlich als stellvertretender Fraktionsvorsitzender in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und als Vorsitzender des dortigen Unterausschuss für Gesundheit.

Seit 2011 arbeitet er als Hochschullehrer,  Gesundheitswissenschaftler und Autor. Laut Angabe auf seiner Website „bekämpft (er) Korruption und setzt sich ehrenamtlich weiterhin für ein gutes und gerechtes Gesundheitswesen und eine unabhängige und transparente Wissenschaft ein.“

Dr. Wodarg verlautbarte in einem auf Facebook veröffentlichten Video das er sich „lange überlegt“ habe, ob er sich wieder politisch engagieren oder einfach nur noch Bücher schreiben wolle.

Es seien jedoch jetzt „welche am Ruder“, die man „nicht weiter steuern lassen“ könne, da sie „sehr viel Schaden angerichtet“ hätten. Er fühle sich daher verpflichtet, sich „wieder einzumischen“ (Applaus im Video zu hören). Da seine Eltern aus Mecklenburg-Vorpommern stammten, fühle er sich „mit dem Bundesland sehr verbunden“.

Zurück zu Dr. Wodargs umstrittene Aussagen zur COVID-19-Pandemie. Dazu gibt es umfassende Quellen, hier die markantesten: 

Er hatte die Corona-Maßnahmen bereits früh, zu Beginn der Pandemie im letzten Jahr (2020) kritisiert. In einem ZDF-Interview sprach er von einem Corona-Hype, es solle keine außergewöhnliche medizinische Gefahr zugrunde liegen. Wodarg verglich die Erkrankung Covid19 mit einer saisonalen Grippe und kritisierte Forschung und Politik für die Panikmache.

Die Corona-Virus-Eindämmungsmaßnahmen verursachten eine erhebliche Schädigung der Freiheits- und Persönlichkeitsrechte durch leichtfertige und unberechtigte Quarantänemaßnahmen und Verbotsregelungen.

Im November 2020 verbreitete Wodarg die Falschbehauptung, die Impfung gegen Corona könne zu Unfruchtbarkeit oder Veränderung der menschlichen Genetik führen. Das Paul-Ehrlich-Institut, von Correctiv.org befragte Biochemiker und Ärzte, das Universitätsklinikum Jena und andere widersprachen der Behauptung.

Weitere markante Falschbehauptungen von Dr. Wodarg:

„Der Test lügt

  • Positiver Test beweist keine „Infektion“ nach dem IfSG.
  • Viele Tests = Viele falsche „Fälle“

Kinder schützen

  • Keine Masken, keine Tests,
  • kein Abstand, keine Angst.
  • sofort normaler Unterricht

Keine „Impfung“

  • sie ist nicht nötig
  • sie schützt fast gar nicht
  • sie ist sehr riskant“

Reaktionen; Die Fachwelt reagiert mit Bestürzung auf die Behauptungen des Arztes: Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach bezeichnete die Aussagen Wodargs als „abwegig und wissenschaftlich nicht haltbar, eine echte Räuberpistole“.

Verschiedene Medien prüften Wodargs Behauptungen auf Richtigkeit und kamen zu dem Schluss, seine Aussagen zum neuartigen Coronavirus widersprächen größtenteils den belegbaren Fakten. Manche seiner Aussagen seien weder widerlegbar noch belegbar, erwiesen sich aber bei genauer Betrachtung als irreführend. Es würden Tatsachen vermischt, die nichts miteinander zu tun hätten.

Wodarg gab u.a. Interviews dem umstrittenen Journalisten Boris Reitschuster und  Milena Preradovic. Letztere verbreite auf ihren YouTube-Kanal laut Correctiv, Stuttgarter Nachrichten, Cicero, SWR und Bayerischer Rundfunk gehäuft Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie (siehe hier).

Hingewiesen sei hier auf ausführliche Infos bei Correctiv, wo es in der Überschrift heißt: „Warum die Aussagen von Wolfgang Wodarg wenig mit Wissenschaft zu tun haben“, hier lesen.

Dr. Wolfgang Wodarg und seine Kooperation mit „Die Basis“

Im Weiteren wird Dr. Wodargs Kooperation mit neu-rechten/rechtsextremen Medien und Organisationen kritisiert und hier sei auch das Engagement mit der Partei „Die Basis“ genannt. Diese Partei wird mit Vorwürfen konfrontiert, sie habe „Anhänger von Verschwörungserzählungen, Virus-Leugner, Extremisten“ in ihren Reihen.

Politwissenschaftler wie Thomas Bräuninger und Marc Debus kommen zu den Urteil, dass „die Partei… im Parteienspektrum nicht eindeutig verortbar“ (sei).

Dennoch stuften sie pauschalen Aussagen aus der Partei „Die Basis“ als populistisch ein, wie diese: die Politik habe sich von den Bürgern entfremdet, sie werde von den Interessen großer Konzerne gelenkt und es gebe eine Aushöhlung des Rechtsstaats. (Quelle).

Der Bundesvorstand definiert sich so: „Wir sind nicht links, nicht Mitte, nicht rechts, wir sind sachlich“ (Quelle).

Autoren des „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ sehen es anders: „Versuche der Partei, sich von rechts abzugrenzen, werden mitunter als wenig glaubwürdig eingeordnet“ (Quelle).

Neben dem in Schleswig-Holstein und Flensburg bekannten SPD-Politiker Dr. Wodarg ist ein weitere Flensburger aktiv bei „Die Basis“ aktiv: der frühere Flensburger Grünen-Politiker David Claudio Siber. Dieser ist Bundeskoordinator für die Partei. Bei den Grünen in Flensburg wurde David Claudio Siber aus der Partei die Grünen verbannt. Nach eigenen Angaben soll er im November 2020 aus der Partei ausgetreten sein.

Nachdem er bei einer „Querdenken“-Demo in Berlin im Sommer 2020 auf das Podium trat und als Fraktionsmitglied für die Flensburger Grünen eine Rede hielt, hatte er sich bei den Flensburger Grünen in Abseits gestellt.

Steffen Regis, Landesvorsitzender der Grünen, begründete die Trennung mit diesen Worten: „Fakt ist, dass er auf einer Bühne gesprochen hat, auf der wenige Zeit davor offen dazu aufgerufen wurde, die Verfassung durch eine neue Verfassung abzulösen. Auf dieser Bühne sind auch Menschen mit Verschwörungstheorien aufgetreten und in unmittelbarer Nähe Reichsbürger.“ Außerdem habe Sibers Auftritt als Fraktionsmitglied stattgefunden, sei aber nicht abgesprochen gewesen. (Quelle: NDR). 

Die Autoren des genannten Artikels des „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ schreiben im März 2021 dass, „ein Wahlerfolg der neu gegründeten Querdenker-Parteien bis auf Weiteres sehr unwahrscheinlich sei.“

Ok, bis zur Wahl sind es noch einige Monate. Gegen die neuen Maßnahmen der Regierung gibt es vielfach neue Proteste. Ob das der Partei „Die Basis“ weiteren Auftrieb gibt und wir im Bundestag dann im Herbst einen Dr. Wolfgang Wodarg und einen weitere Flensburger, neben Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen),  David Claudio Siber sehen? Wer weiß?!